Kharkiv, Ukraine

In einem unscheinbaren Keller in Kharkiv, Ukraine, liegt ein Ort, der mehr ist als nur ein Schutzraum: Die Kunstschule Aza Nizi Maza. Gegründet 2012 von Künstler Mykola Kolomiets als offenes Atelier für Kinder – auch solche mit Autismus – hat sich die Schule in Kriegszeiten zu einem Zufluchtsort der Kreativität entwickelt. Seit dem russischen Angriffskrieg wird hier nicht nur gemalt, sondern auch geheilt. Inmitten von Bombenalarm, zerstörten Häusern und der ständigen Angst vor dem nächsten Einschlag wurde diese Schule zu einem Symbol für Widerstand – nicht mit Waffen, sondern mit Farben, Stiften und Ideen.

Meine Motivation für dieses Projekt war der Versuch, zu verstehen, was Krieg mit Kunst macht – besonders mit der Kunst von Kindern. Ich wollte kein weiteres klassisches Kriegsfotoprojekt umsetzen. Stattdessen suchte ich nach einem Gegenpol zur Zerstörung – nach einem Raum, in dem trotzdem noch etwas Schönes entsteht. Als ich die Kinderzeichnungen zum ersten Mal sah, war ich schockiert: Panzer, Waffen, zerstörte Städte – Bilder, wie man sie sonst nicht in Kinderzeichnungen sieht. Doch gleichzeitig war da auch etwas Versöhnliches: Fantasie, Humor, Farbe, Hoffnung.

Ich sprach vor Ort mit Katerina, einer Mutter, deren Sohn regelmäßig die Schule besucht. Sie erzählte mir, dass viele Kinder durch den Krieg Themen wie Waffen und Tod aufgreifen – auch wenn diese in der Familie bewusst vermieden werden. In der Kunst verarbeiten sie ihre Ängste. Die Schule gibt ihnen die Möglichkeit, gemeinsam kreativ zu sein, sich auszutauschen und frei von der allgegenwärtigen Propaganda ihre eigene Sicht auf die Welt zu entwickeln. Für viele sei dieser Ort nicht nur ein sicherer Raum vor Bomben, sondern vor allem ein geschützter Raum für ihre Seelen, sagte sie. Für ihren Sohn sei die Schule einer der Hauptgründe, warum sie überhaupt in Kharkiv geblieben sind.

Mein Fotoprojekt dokumentiert diesen Ort und seine Bedeutung – nicht nur als Kunstschule, sondern als Statement: dass selbst unter extremen Bedingungen Kreativität überleben kann. Die Bilder zeigen nicht nur, was Kinder im Krieg sehen, sondern auch, wie sie hoffen. Aza Nizi Maza ist eine stille, aber kraftvolle Erinnerung daran, dass Kunst auch im Dunkel wachsen kann.